Franz Meiller
Franz Meiller absolvierte seine Ausbildung zum Diplom-Kaufmann an der LMU in München. Er arbeitet in der Franz Xaver Meiller Fahrzeug- und Maschinenfabrik – GmbH & Co KG und ist gleichzeitig Sprecher der Gesellschafter. In der F. X. Meiller Beteiligungs-GmbH und der F. X. Meiller Gelände GmbH & Co KG ist er geschäftsführender Gesellschafter. Seit den siebziger Jahren ist er künstlerisch aktiv. So hatte er in seiner Jugend einige Theaterengagements und bis heute mehrere Filmrollen. Als Theater- und Filmproduzent ist er seit 2007 tätig.
Die Fotografie ist seit vielen Jahren ein wesentlicher Teil seines künstlerischen Schaffens. Seine Werke waren unter anderem in der Galerie Kampl München, der Galerie Michael Schultz Berlin, der Kunsthalle Brennabor Brandenburg, der Kunsthalle Dresden und der Stadtsparkasse München zu sehen. International stellte er auf der Art Miami, Art Karlsruhe, Munich Contempo und Art Cologne aus.
2022 produzierte er am Berliner Ensemble die Theaterinszenierung „Auch Zwerge haben klein angefangen“ nach Werner Herzog. Sein Dokumentarfilm „Roy – Eine Legende geht zu Ende“ (2023) lief erfolgreich in den Münchner Museum Lichtspielen. Über die Franz Meiller Stiftung engagiert er sich für die Förderung junger Künstler und kultureller Projekte.

Der Fotograf Franz Meiller ist ein Chronist. Nicht im lexikalischen Sinne des Wortes; sondern in der konsequenten Hingabe an eine bildnerische Erzählweise, der das Geheimnis einer sehr spezifischen Beschränkung zugrunde liegt. Meiller konzentriert sich in seinen Fotografien fast ausschließlich auf Ereignisse, die sich in seiner unmittelbaren (sprich: privaten) Nähe vollziehen und wiederholen.
Seine Bilderserien kreisen um das Auf- und Abtauchen einer sehr überschaubaren Anzahl von Menschen. Ihnen, und der Chronik ihrer Lebensverläufe gilt seine ganze Aufmerksamkeit. Aus den Momenten, die Meiller mit diesen Menschen teilt, formt er fotografische Erzählungen über das rätselhafte Verhältnis von Wiederkehr und Veränderung. Warum begegnet man welchem Menschen an welchem Ort? Welche Personenkonstellationen bleiben konstant, welche sind fragil? Gibt es bestimmte Räume, in denen sich Rituale der Begegnung wiederholen? Gibt es Wiederholungen von emotionalen Zuständen? Mit anderen Worten: Wie sieht sie aus, die Chronik eines mitteleuropäischen Alltags und welche Menschen und Orte geben dieser Biografie ihre entscheidenden Impulse und Wendungen?
Indem Meiller in seinen Fotografien diesen Fragen nachgeht, objektiviert er seine subjektive Empfindung von Alltag. Seine fotografischen Serien geben Auskunft über Zusammenhänge, die der persönlichen Wahrnehmung und Erfahrung zuwiderlaufen. Meiller macht sich, indem er die Umstände seiner Lebenserzählung dokumentiert, im wahrsten Sinne des Wortes, „ein Bild“ von sich selbst. Und dieses „Bild“ ist hybrid. Es berichtet von Regeln (Ritualen des Alltags) und Ausnahmen (Reise- und Theaterfotografie), es gibt Auskunft über die Vielfältigkeit und Widersprüchlichkeit alltäglichen Handelns und Erlebens. Meiller entfernt sich von sich selbst, indem er der intuitiven Wahrheit seiner Empfindungen die Wahrheit des Bildes entgegenstellt. Und genau an diesem Punkt entsteht die Faszination am künstlerischen Projekt von Franz Meiller. Indem er nichts inszeniert, berichtet er von einer Inszenierung, vor deren Konsequenzen man zurückschrecken könnte. Weil man sie nicht beherrscht.
— Malte Ubenauf